Veröffentlicht am 18. April 2017 In Franziskus - Botschaft

Frohe Ostern, verworfene kleine Steine …

PAPST FRANZISKUS – OSTERN 2017 •

Bei der Heiligen Messe am Ostermorgen 2017 auf dem Petersplatz brach Papst Franziskus mit der Tradition (wieder einmal) und hielt eine improvisierte Predigt, um die aktuellen Dramen der Welt und Menschheit ins österliche Licht zu stellen: „Denken wir alle einmal an die täglichen Probleme, an die Krankheiten, die wir durchlebt haben“, sagte Franziskus, um dann zu fragen: „Was sagt uns die Kirche heute angesichts all der Tragödien? Einfach das: Der Stein, der verworfen wurde, ist nicht wirklich verworfen worden“, so der Papst. „Die Steinchen, die glauben und sich an diesen Stein heften, sind nicht verworfen, sie haben einen Sinn.“

Ostern „ist nicht einfach ein Fest mit vielen Blumen, das ist schön, aber es ist viel mehr“, betonte Franziskus. „Ostern ist das Geheimnis des Steins, der verworfen wurde, und der zum Grundstein unserer Existenz geworden ist. Jesus ist auferstanden, und in dieser Wegwerfkultur, wo das, was nicht gebraucht wird, benutzt und weggeworfen wird, ist dieser verworfene Stein Quelle des Lebens. Und auch wir sind solche kleinen Steine in diesem Land der Schmerzen, und im Glauben an den Auferstandenen finden wir Sinn inmitten so vieler Katastrophen.“

Frohe Ostern, verworfene kleine Steine… verworfene Steine in der Kirche, in Schönstatt, in Vergangenheit und Gegenwart. Frohe Ostern, verworfene Steine wegen Krankheit oder Armut, verworfen, weil ihr die Ruhe stört, weil ihr Pioniere oder Propheten seid, weil ihr über den Tellerrand hinaus denkt, weil ihr unbequem werdet oder einfach eurer Zeit voraus seid…

An diesem Ostermorgen machte die Nachricht vom Tode Robert W. Taylors die Runde. Tayler wer? Taylor, Software-Ingenieur, begann im Jahr 1966 ein Computer-Netzwerk zu entwerfen und entwickelte Arpanet, die Mutter aller Netzwerke und dessen, was wir heute als Internet kennen. Schon 1969 schrieb er in einem Artikel über eine virtuell vernetzte Welt, in der die Menschen sich über Computer unterhalten und Informationen „im Netz“ suchen würden. Er wurde ausgelacht. Man schmunzelte über die Hirngespinste dieses Architekten und Pioniers der Welt, die wir heute als Informationszeitalter kennen. Man redet von Steve Jobs und Mark Zuckerberg. Doch die Pioniere sind die „verworfenen Steine“ wie Taylor, wie Tim Berners-Lee, Schöpfer des World Wide Web (WWW), Larry Roberts, der den Prototyp des heutigen Internet entwickelt hat,  Vinton Cerf und Robert Kahn, die das Kommunikationsprotokoll TCP/IP schufen, die Computer-Sprache, die bis heute im Internet verwendet wird… Verworfene Steine, die zu Ecksteinen geworden sind.

Man könnte viele Namen nennen. Ein Josef Kentenich war in seiner Zeit ein von der eigenen Kirche „verworfener Stein“. Frohe Ostern, verworfene Steine.

Vollständiger Text der spontanen Predigt von Papst Franziskus am Ostersonntag (eigene Übersetzung)

Heute wiederholt, singt, ruft die Kirche: Jesus ist auferstanden! Aber wie ist das genau? Petrus, Johannes und die Frauen gingen zum Grab und es war leer; er war nicht da. Und sie waren dort mit einem von Traurigkeit verschlossenen Herzen, der Traurigkeit der Niederlage; der Meister, ihr Meister, der, den sie so sehr liebten, war verurteilt worden und tot, und vom Tod kommt keiner zurück. Das ist die Niederlage, der Weg der Niederlage, der Weg zum Grab. Doch der Engel sagt ihnen: Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Die erste Verkündigung: Er ist auferstanden!

Dann die Verwirrung, das verschlossene Herz, die Erscheinungen, sie machen dicht, verbringen den ganzen Tag im Abendmahlssaal aus lauter Angst, dass ihnen das passieren könnte, was Jesus passiert ist. Und die Kirche hört nicht auf, angesichts unseres Versagens, unserer verschlossenen, bibbernden Herzen zu sagen: Stopp! Der Herr ist auferstanden!

Aber wenn der Herr auferstanden ist, wie kann es dann sein, dass all diese Dinge passieren, wie kann es sein, dass es so viele Unglücksfälle, Krankheiten, Menschenhandel, Krieg, Zerstörung, Verstümmelung, Rache, Hass gibt. Wo ist der Herr?

Gestern habe ich einen jungen Mann angerufen, der eine schwere Krankheit hat, ein gebildeter junger Mann, ein Ingenieur, und um ihm ein Zeichen des Glaubens zu geben, habe ich ihm gesagt; ,Es gibt keine Erklärungen für das, was dir passiert. Sieh auf Jesus am Kreuz. Gott hat das mit seinem Sohn gemacht, und es gibt keine andere Erklärung.´ Und er hat mir geantwortet:  ,Ja, aber Gott hat es seinen Sohn gefragt, und der Sohn hat ja gesagt.  Ich bin nicht gefragt worden, ob ich das wolle.´ Das berührt uns, niemand von uns wird gefragt: ,Bist du froh darüber, was in der Welt passiert? Bist du bereit dazu, dieses Kreuz zu tragen?´ Und das Kreuz steht ganz vorne und der Glaube an Jesus fällt zusammen, darum sagt die Kirche immer und immer wieder: Jesus ist auferstanden! Und das ist nicht Phantasie. Die Auferstehung Christi ist nicht ein Blütenfest, es ist mehr. Es ist das Geheimnis des verworfenen Steins, der zum Eckstein unserer Existenz geworden ist. Christus ist auferstanden! Und das bedeutet in dieser Wegwerfkultur, wo das, was nichts nützt, den Weg des „Gebrauchens und Wegwerfens“ nimmt, wo alles, was nicht nützt, weggeworfen wird, dass dieser Stein, der verworfen worden ist, Quelle des Lebens wird. Auch wir kleinen Steine in diesem Land der Schmerzen, der Tragödien, haben Sinn im Glauben an die Auferstehung Christi. Inmitten von so viel Unheil, wo man nicht mehr weiter schauen zu können meint, da ist keine Mauer, sondern ein Horizont. Da ist das Leben, die Herrlichkeit, es ist das Kreuz in seiner Ambivalenz. Schau nach vorne, mach nicht zu, du kleiner Stein hast einen Sinn im Leben, denn du bist ein Stein von diesem großen Stein, den Sünde und Bosheit verworfen haben.

Was sagt uns die Kirche angesichts all dieser Tragödien? Einfach das: Der Stein, der verworfen wurde, ist nicht wirklich verworfen worden. Die Steinchen, die glauben und sich an diesen Stein heften, sind nicht verworfen, sie haben einen Sinn. Mit diesem Gefühl wiederholt die Kirche aus tiefstem Herzen: Christus ist auferstanden!

Denken wir alle einmal an die täglichen Probleme, an die Krankheiten, die wir selbst oder Angehörige durchlebt haben; denken wir an die Kriege, an die menschlichen Tragödien, ganz still, mit leiser Stimme, ohne Blumen, nur vor Gott, vor uns selbst. Ich weiß nicht, wie das ist, aber ich bin sicher, dass Christus auferstanden ist, und darauf setze ich. Brüder und Schwestern, das ist es, was ich euch sagen wollte. Geht heute nach Hause und wiederholt in eurem Herzen: Christus ist auferstanden!

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