Veröffentlicht am 31. Januar 2017 In Franziskus - Botschaft

Die Kirche fragt die Jugendlichen um ihren Beitrag zur Bischofssynode 2018

PAPST FRANZISKUS IN ROM, von Ary Waldir Ramos Diaz über Aleteia.org •

„Eine bessere Welt wird auch Dank Euch, Dank Eures Willens zur Veränderung und Dank Eurer Großzügigkeit, aufgebaut“, schreibt Papst Franziskus in seinem Brief an die Jugendlichen.

In diesem Brief kündigt der Papst ihnen mit Freude an, dass im Oktober 2018 die Bischofssynode zum Thema: «Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung» stattfinden werde.

„Ich wollte, dass Ihr im Zentrum des Interesses steht, da ich Euch im Herzen trage“, betont Papst Franziskus, der zugleich an den Weltjugendtag erinnerte, der im Januar 2019, also unmittelbar nach der Bischofssynode, in Panama stattfinden wird.

Am 13. Januar wurde im Vatikan das Vorbereitungsdokument vorgestellt, das der Papst als eine Art Leitfaden für diesen Weg angeboten hat.

Wer die Tage des Weltjugendtages in Krakau mitverfolgt hat, weiß, was der Papst meint, wenn er vom Sofa spricht – von dem Sofa, auf dem die Jugendlichen nicht sitzenbleiben sollen, während andere über ihre Zukunft entscheiden; so lädt er sie jetzt ein, der Kirche ihre Erwartungen, ihre Gedanken und Vorschläge über Leben und Pastoral anzuvertrauen.

Der Hl. Benedikt empfahl den Äbten, vor jeder wichtigen Entscheidung auch die jungen Mönche zu hören, «weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist» (Regel des Hl. Benedikt III, 3), so Papst Franziskus.

So lädt er alle Jugendlichen ein, aktiv zu werden und keine Angst zu haben, auf den Heiligen Geist zu hören, der ihnen „mutige Möglichkeiten“ vorschlage. „Lasst Euren Schrei hören, lasst ihn in den Gemeinschaften erschallen und bis zu den Hirten gelangen.“

In Blick auf die Jugendlichen, die es wagen, Jesus zu folgen, bekäftigte er: „Auch die Kirche möchte auf Eure Stimme hören, auf Eure Sensibilität, auf Euren Glauben, ja auch auf Eure Zweifel und Eure Kritik.“

Wie geht der Weg hin zur Synode?

Das Dokument ist ein Leitfaden für die Vorbereitung der Synode und dreht sich Jugendliche zwischen 16 und 29 Jahren in den verschiedenen gesellschaftlichen und lokalen Kontexten.

Der Text wurde den Leitungsgremien der katholischen Ostkirchen, den Bischofskonferenzen, den Dikasterien der Römischen Kurie sowie der Vereinigung der Ordensoberen zugesandt.

Das alles in Blick auf die Erarbeitung des  Instrumentum Laboris, des Arbeitsdokumentes der Synode, wie Kardinal Lorenzo Baldisseri, Generalsekretär der Bischofssynode, bei der Pressekonferenz am 13. Januar erklärte.

Dabei betonte er, wie notwendig es sei, die Sprache der Jugend, auch die digitale Sprache, besser zu verstehen. „Das machen wir zusammen mit den Jugendlichen, und wir versuchen, die Bischofskonferenzen zu beteiligen“, so Baldisseri.

Auf die Jugendlichen hören ist die theologische und pastorale Vision des Pontifikats von Papst Franziskus. „Der Text unterstreicht an mehreren Stellen die zentrale Rolle von Freude und Liebe“, fügte er an.

Der Text

Das Dokument besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil steht die Einladung, auf die Realität zu hören. Der zweite unterstreicht die Bedeutung der Unterscheidung im Licht des Glaubens, um zu Lebensentscheidungen zu gelangen, die wirklich dem Willen Gottes und dem Wohl der konkreten Person entsprechen. Der dritte richtet die Aufmerksamkeiot auf die Pastoralarbeit der kirchlichen Gemeinschaft“, erklärte Baldisseri.

Die Fragebogen

Fabio Fabene, stellvertretender Sekretär der Bischofssynode, erklärte, das Vorbereitungsdokument sei so angelegt, dass die „Jugendlichen wirklich in den synodalen Weg eingebunden“ werden.

Die Fragen im Fragebogen sind nach geographischen Bereichen entworfen, wobei die wichtigste Neuerung in Bezug auf die vorherigen Synode darin besteht, dass zu den 15 Fragen noch drei spezifische Fragen für jeden Kontinent hinzugefügt werden.

„Wir werden die Antworten auf den Fragebogen in darauf spezialisierten Zentren auswerten lassen“, betonte Fabio Fabene.

Webseite

Am 1. März 2017 soll dann eine Webseite online gehen, damit die Jugendlichen ihre Anliegen und Fragen zu Jesus, zu ihrem Lebensprojekt, zu Gesellschaft und lokaler Gemeinde einsenden können:  http://www.sinodogiovani2018.va

Der digitale Kontinent ist ein wichtiges Thema für die Evaluierung und überhaupt den Zutritt zur Jugendkultur und eine Gelegenheit, „die manchmal dort recht unpraktischen Bischöfe und Prälaten“ fit zu machen dafür, so Baldisseri.

Die Webseite ist wie alles im Internet für alle Menschen, nah und fern der Kirche, offen. „Alle können schreiben, und wir antworten nach gutem Ermessen einzelnen auch direkt“, hieß es.

 

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BRIEF ES HEILIGEN VATERS AN DIE JUGENDLICHEN

ZUR VORSTELLUNG DES VORBEREITUNGSDOKUMENTS DER XV. ORDENTLICHEN GENERALVERSAMMLUNG DER BISCHOFSSYNODE 

Meine lieben Jugendlichen,

mit großer Freude darf ich Euch ankündigen, dass im Oktober 2018 eine Bischofssynode zum Thema «Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung» stattfinden wird. Ich wollte, dass Ihr im Zentrum des Interesses steht, da ich Euch im Herzen trage. Heute wird das Vorbereitungsdokument vorgestellt, das ich auch Euch als „Kompass“ auf diesem Weg anvertraue.

Mir kommen die Worte in den Sinn, die Gott an Abraham richtete: «Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde!» (Gen 12,1). Diese Worte sind heute auch an Euch gerichtet: Es sind Worte eines Vaters, der Euch einlädt, „hinauszugehen“, um Euch einer unbekannten Zukunft entgegenzuwerfen, die aber Träger sicherer Verwirklichungen ist und auf die hin Er selbst Euch begleiten wird. Ich lade Euch ein, auf die Stimme Gottes zu hören, die durch das Wehen des Heiligen Geistes in Euren Herzen wiederhallt.

Als Gott zu Abraham sagte «Zieh weg!», was wollte er ihm da sagen? Sicherlich nicht, dass er sich von den Seinen oder von der Welt fliehen sollte. An ihn erging eine gewaltige Einladung, eine Provokation, damit er alles verlasse und sich auf den Weg in ein neues Land mache. Welches ist für uns heute dieses neue Land, wenn nicht eine gerechtere und geschwisterlichere Welt, wie Ihr sie tief ersehnt und wie Ihr sie bis zu den Grenzen der Erde hin aufbauen wollt?

Heute aber nimmt das «Zieh weg!» leider auch eine andere Bedeutung an. Jene des Machtmissbrauchs, der Ungerechtigkeit und des Krieges. Viele von Euch Jugendlichen sind der Erpressung durch Gewalt ausgesetzt und gezwungen, aus ihrem Heimatland zu fliehen. Ihr Schrei steigt zu Gott auf wie jener der Israeliten, die Sklaven der Unterdrückung des Pharao waren (vgl. Ex 2,23).

Ich möchte Euch auch an die Worte erinnern, die Jesus eines Tages den Jüngern sagte, die ihn fragten: «Rabbi […], wo wohnst Du?» Er antwortete: «Kommt und seht» (vgl. Joh 1,38). Auch auf Euch richtet Jesus seinen Blick und lädt Euch ein, zu ihm zu kommen. Liebe Jugendlichen, hat Euch dieser Blick getroffen? Habt Ihr diese Stimme gehört? Habt Ihr diesen Impuls gespürt, Euch auf den Weg zu machen? Ich bin sicher: auch wenn in der Welt der Lärm und die Betäubung zu herrschen scheinen, klingt dieser Ruf noch immer in Eurer Seele, damit Ihr sie der Fülle der Freude öffnet. Dies wird in dem Maße möglich sein, in dem Ihr, auch durch die Begleitung erfahrener Führer, in der Lage seid, einen Weg der Unterscheidung zu gehen, um den Plan Gottes für Euer Leben zu entdecken. Wenn auch Euer Weg von der Vorläufigkeit und vom Fall gezeichnet ist, streckt Gott, der reich an Erbarmen ist, seine Hand aus, um Euch aufzuhelfen.

Bei der Eröffnung des letzten Weltjugendtages in Krakau habe ich Euch mehrfach gefragt: «Können sich die Dinge ändern?» Und Ihr habt gemeinsam ein lautes «Ja!» gerufen. Dieser Schrei entspringt Eurem jugendlichen Herzen, das die Ungerechtigkeit nicht erträgt und sich nicht der Wegwerfkultur beugen will, noch der Globalisierung der Gleichgültigkeit das Feld überlassen will. Hört auf diesen Schrei, der aus Eurem Inneren aufsteigt! Auch dann, wenn Ihr Euch, wie der Prophet Jeremia, der Unerfahrenheit Eures jugendlichen Altes bewusst werdet; Gott ermutigt Euch, dahin zu gehen, wohin Er Euch schickt: «Fürchte Dich nicht […]. Denn ich bin mit Dir, um Dich zu retten» (vgl. Jer 1,8).

Eine bessere Welt wird auch Dank Euch, Dank Eures Willens zur Veränderung und Dank Eurer Großzügigkeit, aufgebaut. Habt keine Angst, auf den Geist zu hören, der Euch zu mutigen Entscheidungen drängt, bleibt nicht stehen, wenn das Gewissen Euch einlädt, ein Risiko einzugehen, um dem Herrn zu folgen. Auch die Kirche möchte auf Eure Stimme hören, auf Eure Sensibilität, auf Euren Glauben, ja auch auf Eure Zweifel und Eure Kritik. Lasst Euren Schrei hören, lasst ihn in den Gemeinschaften erschallen und bis zu den Hirten gelangen. Der Hl. Benedikt empfahl den Äbten, vor jeder wichtigen Entscheidung auch die jungen Mönche zu hören, «weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist» (Regel des Hl. Benedikt III, 3).

Auf diese Weise wollen wir, meine Mitbrüder im Bischofsamt und ich, auch durch diesen synodalen Weg noch mehr «Mitarbeiter Eurer Freude» (2 Kor 1,24) werden. Ich vertraue Euch Maria von Nazareth an, einer Jugendlichen wie Ihr, auf die Gott seinen liebevollen Blick gerichtet hat. Er nehme Euch an der Hand und geleite Euch zu einem vollen und großzügigen «Ich bin bereit» (vgl. Lk 1,38).

Mit väterlicher Zuneigung

FRANZISKUS

 

Aus dem Vatikan, 13. Januar 2017

 

 Text des Briefes an die Jugendlichen von www.vatican.va, Übersetzung des redaktionellen Teils: Maria Fischer

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