Veröffentlicht am 9. Dezember 2017 In Franziskus - Botschaft, Kirche - Franziskus - Bewegungen

Wachsam sein und den Herrn erwarten

PAPST FRANZISKUS – SEINE BOTSCHAFT AN DIE WELT BEIM ANGELUS •

Aufmerksames und erwartungsvolles Warten – das war das Thema von Papst Franziskus am ersten Adventssonntag, mit dem die Vorbereitung auf die Geburt Christi beginnt.

Erst in der Nacht zuvor war Papst Franziskus von seiner Reise nach Myanmar und Bangladesh zurückgekehrt, doch diesen Sonntagstermin ließ er nicht ausfallen, sondern begann mit den Pilgern in Rom und der Weltkirche den Adventsweg in der Erwartung des Erlösers.

Wachsam und aufmerksam muss man auch sein, um die aktuellen Gebetsanliegen des Papstes mitzukriegen. Er nutzt fast immer den ersten Angelus des Monats, um sie zu nennen, aber leise, ohne fanfarenartige Ankündigung – so als wolle er in der Art, wie er sie mitteilt, die Christenheit lehren, auf die leise Stimme Gottes im Weltgeschehen zu hören. Diesmal also galt seine Gebetsbitte einem kleinen Land in Mittelamerika:

In mein Gebet schließe ich insbesondere auch das Volk von Honduras ein, damit es auf friedliche Weise den aktuellen, von Schwierigkeiten gezeichneten Moment überwinden möge.

Machen wir uns seine Bitte für Honduras zu eigen, mit Gebet und dem ganz Typischen Schönstatts: mit Beiträgen zum Gnadenkapital. Nicht nur, aber auch weil es Schönstätter in Honduras gibt.

Ansprache von Papst Franziskus beim Angelusgebet am ersten Adventssonntag, 3. Dezember

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute beginnen wir den Weg durch den Advent, der seinen Höhepunkt an Weihnachten finden wird. Der Advent ist die Zeit, die uns gegeben ist, um den Herrn zu empfangen, der uns entgegenkommt, auch um unser Verlangen nach Gott zu prüfen, nach vorne zu blicken und uns auf die Wiederkunft Christi vorzubereiten. Er wird am Weihnachtsfest wieder zu uns kommen, wenn wir seines geschichtlichen Kommens in die Niedrigkeit des Menschseins gedenken werden. Doch er kommt jedes Mal in unser Inneres, wenn wir bereit sind, ihn zu empfangen, und er wird erneut am Ende der Zeiten kommen, »zu richten die Lebenden und die Toten«. Aus diesem Grund müssen wir immer wachsam sein und den Herrn erwarten in der Hoffnung, ihm zu begegnen. Die heutige Liturgie führt uns genau in dieses faszinierende Thema der Wachsamkeit und der Erwartung ein.

Im Evangelium (vgl. Mk 13,33-37) mahnt Jesus, Acht zu geben und zu wachen, um bereit zu sein, ihn im Augenblick seiner Wiederkehr zu empfangen. Er sagt uns: »Gebt Acht und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist […] Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen« (V. 33-36).

Der Mensch, der Acht gibt, ist jener, der sich im Lärm der Welt nicht von Zerstreuung oder Oberflächlichkeit fortreißen lässt, sondern in erfüllter, bewusster Weise lebt, verbunden mit einer Sorge, die sich vor allem den anderen zuwendet. Mit dieser Haltung werden wir uns der Tränen und der Bedürfnisse des Nächsten bewusst und können auch seine menschlichen und geistlichen Fähigkeiten und Qualitäten erfassen. Die achtsame Person wendet sich dann auch der Welt zu und trachtet danach, der in ihr vorhandenen Gleichgültigkeit und Grausamkeit entgegenzuwirken und sich der trotz allem vorhandenen Schätze an Schönheit zu erfreuen, die bewahrt werden müssen. Es geht darum, einen verständnisvollen Blick zu haben, um sowohl das Elend und die Armut der Einzelnen und der Gesellschaft als auch den in den kleinen, alltäglichen Dingen verborgenen Reichtum zu erkennen, und zwar genau dort, wo der Herr uns hingestellt hat.

Der wachende Mensch ist jemand, der die Einladung annimmt, wachsam zu sein, das heißt sich nicht vom Schlaf der Entmutigung, der Hoffnungslosigkeit, der Enttäuschung überwältigen zu lassen; und gleichzeitig weist er die Reize der vielen Eitelkeiten zurück, die es in der Welt im Überfluss gibt und für die bisweilen Zeit und persönliche wie auch familiäre Ruhe geopfert werden. Es ist dies die schmerzhafte Erfahrung des Volkes Israel, von der der Prophet Jesaja berichtet. Gott schien sein Volk umherirren zu lassen, weit von seinen Wegen entfernt (vgl. 63,17), doch das war eine Auswirkung der Treulosigkeit des Volkes selbst (vgl. 64,4b). Auch wir befinden uns oft in dieser Lage der Treulosigkeit gegenüber dem Ruf des Herrn: er weist uns den guten Weg, den Weg des Glaubens, den Weg der Liebe, doch wir suchen anderswo nach unserem Glück.

Acht geben und wachsam zu sein sind die Voraussetzungen, um nicht weiter »von den Wegen des Herrn abzuirren«, verloren in unseren Sünden und in unseren Treulosigkeiten; Acht zu geben und wachsam zu sein sind die Voraussetzungen, um es Gott zu gestatten, in unser Dasein einzubrechen, um diesem durch seine von Güte und Zärtlichkeit erfüllte Gegenwart Sinn und Wert zu verleihen. Die allerseligste Jungfrau Maria, Vorbild in der Erwartung Gottes und Bild der Wachsamkeit, führe uns zur Begegnung mit ihrem Sohn Jesus und belebe unsere Liebe zu ihm neu.

Übersetzung aus der deutschsprachigen Ausgabe des Osservatore Romano

 

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